Spektrum Selbsthilfe
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Thema Selbstwert
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Nun schon die zweite Folge zum Thema Selbstwert mit dem Leiter André.

Veröffentlichung
23.06.2026

Links:
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https://www.adhs-hb.de

Transkribierter Podcast:

Chris: [00:00:00] Alle Inhalte schildern unsere persönliche Meinung und müssen nicht allgemeingültig sein. (.) Heute der nächste Podcast Spektrum Selbsthilfe mit Debby und André, die sich erstmal kurz vorstellen können. André, erzähl mal, wer bist du denn?
André: [00:00:16] Ich bin André, ich bin 51 Jahre alt, seit letztem Jahr bin ich diagnostiziert auf ADHS und ich hatte in meinem Leben schon einiges mit psychischen Problemen zu tun, (..) Burnout, Depressionen und zurzeit aktuell auch mal Angststörungen. In diesem Jahr bin ich dann zur Selbsthilfe dazugestoßen und wollte mich da auch mit einbringen. Ich leite die Gruppe Selbstwert zum dritten Mal und beim nächsten Mal sind wir sogar in einer etwas größeren Gruppe.
Chris: [00:00:48] Wie schon gespoilert wird heute Debby die Moderation durchführen, das heißt, ich ziehe mich hier in die Technik zurück. Wir hören uns ganz am Ende noch einmal.
Debby: [00:00:57] Also, hallihallo, ich bin Debby. Ich bin schon seit zwei Jahren hier in der Gruppe von ADHS-HB und bin jetzt seit einem Jahr in der Leitung mit dabei. Und ja, ich finde es toll, dass ich mittlerweile auch schon drei Gruppen leite und immer auch bei der Startergruppe dabei bin und heute moderieren darf. Hallo André erstmal nochmal.
André: [00:01:18] Hallo Debby.
Debby: [00:01:19] Wie kamst du denn dazu, dass du dich für das Thema Selbstwert bei uns entschieden hast?
André: [00:01:24] Das ist eine ganz lustige Frage. Eigentlich habe ich mich dazu nicht entschieden. Ich war im Leitungstreffen drin und ein Mitmitglied, Jens, hat sich freiwillig gemeldet dafür. Allerdings gesagt, mit Computer und so weiter ist er nicht ganz so fit. Und da dachte ich mir, das ist eine Gelegenheit, mal eine Gruppe sozusagen zu zweit zu machen. Und da habe ich den Mut dann zusammennehmen können. Jens hat sich leider aus der Gruppe verabschiedet, aus beruflichen Gründen. Allerdings ist das jetzt auch kein Problem. Nachdem ich den Startstoß hatte, mache ich die Leitung der Gruppe auch sehr gerne alleine.
Debby: [00:02:04] Hast du zu dem Thema Selbstwert einen persönlichen Bezug?
André: [00:02:07] Ja, in der Tat habe ich da einen persönlichen Bezug. Gerade aktuell habe ich eine Angststörung, bin dadurch aus meinem alten Beruf rausgefallen. Und für eine Umschulung muss ich demnächst sozusagen meinen Selbstwert wieder aufbauen und finden, um da wieder neu durchstarten zu können.
Debby: [00:02:26] Ja, dann hoffe ich, dass die Leitung einer Gruppe bei uns dir auch hilft, ein bisschen an Selbstwert zu gewinnen, weil deine Gruppe ist ja eine der top gefragtesten Themen überhaupt bei uns. Also vielen Dank, dass du das machst. Und wenn ich so an das Thema Selbstwert denke, dann fallen mir auch sehr schnell viele negativen Glaubenssätze ein, die viele Leute haben. Was würdest du denn jemandem empfehlen, dessen innerer Kritiker einen selbst immer klein hält?
André: [00:02:50] Ich würde empfehlen, erst mal in sich hereinzuhorchen, ob das wirklich Glaubenssätze, die von dir selber kommen oder vielleicht aus deinem Umfeld. Und wenn es wirklich von dir aus kommt, dann würde ich einfach empfehlen, ein klein bisschen achtsam und freundlich mit dir selbst zu sein, das einfach zu trainieren.
Debby: [00:03:10] Ja, da hast du einen interessanten Punkt genannt. Häufig sind ja die inneren Glaubenssätze, die man hat, die so negativ sind, genau die Sätze, die man so als Kind häufig gehört hat. Wir sind ja hier auch viele Leute mit ADHS bei uns in der Gruppe. Hast du denn einen Zusammenhang gefunden zwischen einem niedrigen Selbstwert und ADHS?
André: [00:03:26] Also dazu muss ich erst mal sagen, alle meine Recherchen habe ich einzig im Internet gemacht und bin da auch nicht ganz tief reingegangen. Also ich habe mich nicht in die Bibliothek begeben und ganze Bücher durchgewälzt. Allerdings habe ich versucht, vernünftige Quellen zu finden, auch Bezug zu offiziellen Theorien. Bei dem ADHSler haben wir verschiedene Punkte, die den Selbstwert massiv beeinflussen können, meistens negativ. Ein Klassiker, den ich selbst erlebt habe, ist, dass unsere Leistung im Vergleich zum Nicht-ADHSler in vielen Bereichen abfällt. Wir trotzdem vom Potenzial diese auch übertreffen können. Das wird vom Umfeld wahrgenommen, dass wir deutlich mehr machen können, als wir im Schnitt leisten. So wird ganz automatisch gesagt, Mensch, streng dich doch mal an, du kannst das doch. Das ist eine Sache, die habe ich meine gesamte Kindheit durch vorgebetet bekommen, rauf und runter.
Debby: [00:04:29] Ja, und häufig wird ja auch gesagt, ja, theoretisch, du kannst das doch, du hast ja das Potenzial oder du musst dich ja nur mehr anstrengen, dann kannst du das ja auch erreichen. Das macht auf jeden Fall Druck.
André: [00:04:39] Genau. Es gibt natürlich auch noch andere Eigenschaften von ADHSlern, die negativ in diesem Zusammenhang sind. Wir ADHSler werden ja leicht mal kognitiv oder emotional überlastet, wodurch die Kommunikation mit anderen Menschen auch manchmal anstrengend ist. Wenn das häufig vorkommt, dann können wir uns nicht so gut auf unsere sozialen Skills verlassen. Und soziale Skills zu haben und auch sicher einsetzen zu können, ist ein Baustein für ein gutes Selbstwert.
Debby: [00:05:12] Kannst du uns denn erklären, was genau Selbstwert bedeutet?
André: [00:05:16] Das ist eine spannende Frage, wo ich persönlich am Anfang auch sehr am Schlängern war. Ich habe mir einige offizielle psychologische Theorien angesehen. Zum Beispiel gibt es das Modell der vier Säulen von Friederike, Potrek, Rose und Gitter Jakob. Also die vier Säulen, die da besprochen werden, das ist Selbstvertrauen, Selbstakzeptanz, soziale Kompetenz und soziales Netz. Das Selbstvertrauen ist unsere Fähigkeiten, unser Skillset, wo wir ganz genau wissen, ich kann super Wäsche machen, ich kann super das machen, wo ich einfach weiß, das, was ich machen will, kann ich erreichen. Daraus kommt unser Selbstvertrauen. (.) Selbstakzeptanz ist, dass wir auch zu unseren Fehlern stehen, dass wir uns als ganze Persönlichkeit sehen und nicht nur einzelne Teilaspekte überhöhen in ihrem Wert und daraus sehr viel Negatives ziehen. Die soziale Kompetenz ist genau das, was es sagt. [00:06:18] Es ist für mein Selbstwertgefühl unwahrscheinlich wichtig, dass ich kommunizieren kann, dass ich zum Beispiel, wenn es notwendig ist, ein Nein sagen kann. Nein ist ein super Thema. Ich kann Nein auf tausende verschiedene Arten sagen. Ich kann super freundlich Nein sagen, ohne dass ich jemanden auf die Füße trete. Aber ich kann auch ganz klar das sagen. Ich brauche dabei Übung. Wenn ich nie Nein sage, ist das ungeübt. Und ich habe jedes Mal, wenn ein Nein anstehen würde, ganz große Probleme. Und das Letzte ist das soziale Netz. Wer fängt dich mit auf? Wer ist in deinem Umfeld? Wie behandelt dich dein Umfeld? Was für einen Stellenwert hast du da? Wenn du konstant immer nur der Junior bist, ist das vielleicht nicht Optimum für dein Selbstwertgefühl. Das sind die vier Säulen. Die sechs Säulen von Nathaniel Branden sind eher komplett nur, gehen eher nur um dich selbst. [00:07:20] Ich finde da das Modell, was sozusagen Hälfte in dir selbst sieht und die Hälfte dein Umfeld und deine Kompetenzen im Umgang mit dem Umfeld deutlich spannender, um für mich einzuteilen, Mensch, wo hakt es denn gerade? Die mit den schönsten Tipps, die ich gefunden hatte, ist das Konzept des Selbstmitgefühls der Psychologin Kerstin Neff. Die ist vom Prinzip her von der östlichen Philosophie beeinflusst. Aus ihrer Sicht ist es wichtig, Selbstmitgefühl als stabile persönliche Gewohnheit zu entwickeln, um so den Selbstwert zu stärken. Selbstmitgefühl umfasst drei Aspekte. Freundlichkeit mit sich selbst, ein Gefühl der Verbundenheit mit allen Menschen, eine von Achtsamkeit geprägte Grundhaltung. Wenn wir anderen Menschen verzeihen können, dass sie nicht perfekt sind und das fällt denen meistens recht leicht, dann kann man auch irgendwann sich den Rückschluss erarbeiten, dass man selbst auch nur ein Mensch ist und auch Fehler haben darf, ohne dass es aus einem einen schlechten Menschen macht.
Debby: [00:08:33] Wenn ich so an mich denke, also in solchen Momenten habe ich schon das Gefühl, dass ich sage, ja, ich bin halt auch nur ein Mensch. Und auf der anderen Seite bleibt ja trotzdem noch der Druck, den man dann hat, weil man ja auch gewisse Erwartungen an einen selber hat, weil man dann denkt, man muss ja irgendwie genauso gut sein und genauso viel arbeiten und genauso viel erreichen wie alle anderen um einen rum. Und man vergisst manchmal, dass man vielleicht nicht so ist wie alle anderen außenrum und man weiß ja auch nicht, wie anstrengend das für die anderen ist. Ja, jetzt ist halt die Frage, womit sollte ich oder womit sollten die Hörer denn jetzt anfangen? (.)
André: [00:09:08] Wenn du jetzt mit deinem Selbstwert ganz aktuell große Probleme hast, dann wäre mein Rat, hol dir Hilfe, bleib da nicht alleine mit. Das ist unwahrscheinlich wichtig. Wie gesagt, das soziale Netz ist einfach unwahrscheinlich wichtig. Die unterstützen dich, die sagen dir sozusagen auch mal, dass du gut bist. Du musst jedoch auch darauf achten, dass du nicht selektiv nur den Filter auf Negatives hast. Wir ADHSler können super Hyperfokus machen. Das gilt auch für negative Sachen. Da musst du dann aus diesem Kreis ausbrechen und dir auch einfach mal werteneutral das anhören, was die anderen sagen. Und ein ganz persönlicher Tipp von mir noch. Ich versuche, wenn es ganz hart was schief gegangen ist, ich einen Schlimmfehler gemacht habe, es zu versachlichen und zu gucken, wie kann ich es konstruktiv angehen. Was kann man Positives daraus ziehen? [00:10:10] So, dass man erstmal diese erste, harte, emotionelle Kreislaufspirale in den Abgrund einfach unterbricht. Und jede Verbesserung, jeder Vorschlag ist an sich ja schon wieder was Gutes. Dann ist man wieder auf dem Weg nach oben. Ähnlich, ich weiß nicht, wenn du mal Erfahrung hattest mit Depressionen, soll man ja auch positive Dinge, die man erlebt hat, aufschreiben. Genau so kann man auch Buchführung machen, indem man Sachen ganz bewusst bewertet, von einem positiven Blickwinkel bewertet, was gut gelaufen ist und dementsprechend auch selektiv bewertet. Heute war ich nicht ganz so konzentriert, war nicht so schlimm, morgens besser, aber ich habe da richtig was gut mir ausgedacht, ich hatte eine gute Idee. Das ist super, das ist großartig, das fanden alle toll. Und hol dir dann auch die Bestätigung aus deinem Umfeld und akzeptiere die. [00:11:14] Das ist super wichtig. (.) Es geht einfach darum, dass du ein stärkeres Gewicht auf einen Aufwärtstrend legst, dass du ein Negatives, was einfach da ist, du kannst es ja nicht sozusagen komplett ignorieren, dass du es allerdings ein bisschen weniger wichtig bewertest. Und du einfach die Erfolge stärker bewertest. Jeder Mensch, auch die Leute, die Hochleistung bringen, die super, keine Ahnung, 60 Stunden die Woche arbeiten und so weiter, die machen alle Fehler, häufig sogar noch mehr. Allerdings haben sie ihren Fokus ganz klar auf dem Erreichten und tragen sich damit mit ihrem Selbstwert einfach durch sämtliche schlechten Erlebnisse.
Debby: [00:12:00] Gibt es noch einen Tipp, den du gerne unseren Hörern mitgeben wollen würdest?
André: [00:12:04] Als Tipp würde ich den Mithörern mitgeben, geht da ganz entspannt und langsam rum. Schaut euch verschiedene Theorien an. Sie müssen nicht komplett alle richtig sein. Sie widersprechen sich teilweise. Es geht darum, dass man für sich die Goldstücke rauszieht, die man in seinen Alltag integrieren kann. Und Selbstwert ist kein Wochenendseminar. Das ist eine lange Reise, wo man in kleinen Schritten Stück für Stück an sich arbeitet und sich so verbessert in seiner Selbstwahrnehmung. Und macht es nicht alleine. (.)
Debby: [00:12:45] Hierfür würde es auf jeden Fall Sinn machen, deine Gruppe zu besuchen. Da ist man nicht alleine und man kann sich alle Theorien nochmal ganz genau anhören und auch nochmal Fragen an André stellen.
André: [00:12:55] Die klassische Therapie muss man sich rechtzeitig anmelden. Es sind leider lange Wartezeiten und ich würde es nicht scheuen, rechtzeitig das zu machen. Fällt gerade dann, wenn man am Boden ist, halt besonders schwer. Neben den Selbsthilfegruppen gibt es auch Coachings, die relativ kurzfristig einen Impuls setzen. Dann gibt es natürlich über die Kasse Therapien oder eine Tagesklinik, wenn man das braucht. Oder einen ganzen Klinikaufenthalt. Ich habe alles durchprobiert. Ich konnte aus allem was Positives herausziehen. Es ist manchmal ein bisschen schwierig, aber dafür sind sie auch da, um uns zu begleiten durch schwierige Zeiten.
Debby: [00:13:37] André, dann bedanke ich mich auf jeden Fall, dass du heute das mit mir gemacht hast und meine Fragen beantwortet hast. Und ich hoffe, dass es den Hörern heute gefallen hat.
André: [00:13:47] Ja, ich danke auch. Es hat mir Spaß gemacht. Und vielleicht sehen wir uns dann beim Selbstwert.
Chris: [00:13:53] Das sind ein paar sehr interessante Theorien gewesen. Wenn man erfolgreiche Leute fragt, erklären die einen immer wieder, dass, um erfolgreich zu werden, oder sie sind erfolgreich geworden durch ihre Fehler, durch die Auswertung dessen, um sich daraus einen positiven Trend abzuleiten und diesem zu folgen. Abonniert gerne diesen Channel und unterstützt uns, wenn ihr möchtet, mit einer Mitgliedschaft bei spektrum-störung.de Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.